Plauener Spitze
Filigrane Gebilde des Industriezeitalters

von Beate Schad

2009. – 48 x 60 mm; 136 Seiten mit 19 Schwarzweiß- und 26 farbigen Bildern; 100 Exemplare nummeriert:
Roter Ziegenledereinband mit eingelegter original Plauener Spitze, Kopfgoldschnitt, Rundrücken mit Goldprägung, Lesebändchen mit zwei Spitzen-Sternen, Schuber

Plauener Spitze 788x1035

Der Umfang beträgt 136 Seiten mit 19 Schwarzweiß- und 26 farbigen Bildern. Der Buchblock ist in Fadenheftung ausgeführt. Die gesamte Auflage von 100 nummerieren Exemplaren hat einen Kopfgoldschnitt erhalten. Das Zeichenband ist mit zwei Spitzensternen verziert. Die Buchdecke ist aus krapparotem Leder gefertigt und hat auf dem Rücken und dem vorderen Deckel eine Goldprägung mit dem Titel “Plauener Spitze”. In die Deckelvorderseite ist in eine ­geprägte Vertiefung eine handgewebte Baumwollspitze in Cremefarbe eingelassen, sodass die Innenseite des Schubers nicht mit der Spitze in Berührung kommt. Der Schuber ist mit einem bedruckten Spitzenmotiv bezogen.

In der Werkstatt der Buchbindermeisterin Gabi Meichsner, ebenfalls Mitglied des Sammlerkreises Miniaturbuch e. V. Stuttgart, wurde nach der Anlieferung der Planobogen durch den Digitaldrucker, die buchbinderische Arbeit in vollendeter handwerklicher Manier ausgeführt. Gabi Meichsner zu dem Projekt: “Es war einmal mein Traum, etwas mit Spitze zu machen. Metall und andere Materialien habe ich schon beim Buchbinden in den Fingern gehabt, aber noch nie den Stoff, für den meine Heimatstadt in aller Welt so berühmt ist. Ich werde auf Messen immer wieder darauf angesprochen, wenn man erzählt, dass man aus Plauen kommt.”

Spitzen-Geschichte
Die über hundertjährige Geschichte der Plauener Spitze prägte ganz entscheidend die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der vogtländischen Region mit ihrer Metropole Plauen. Plauener Spitze, ein typisches Produkt des Industriezeitalters, hat ihre Wurzeln in einer jahrhundertealten Tradition der Herstellung von Textilien. Der karge Boden ernährte die Familien nicht ausreichend, sodass Spinnen und Weben von Tuchen zunächst auf Basis einheimischer Schafhaltung, und seit dem 17. Jahrhundert vorwiegend von Baumwollwaren, eine wichtige Erwerbsquelle darstellte. Die zentrale Verkehrslage, in Plauen kreuzten sich bedeutende Handelsstrassen, und das Vorhandensein von kalkarmem Wasser waren wichtige Faktoren, die das Vogtland zu einem bedeutenden Textilzentrum werden ließen. Die für die Textilproduktion günstigen Voraussetzungen erklären aber nicht ausreichend, warum ausgerechnet Plauen zu einer Stadt der Spitzen mit Weltruf wurde.

Die Plauener Weißstickerei
Die Spitzen- und Stickereiindustrie hatte ihre Wurzeln in der Handstickerei des 19. Jahrhunderts, die nach der angewendeten Technik Plauener Plattstichstickerei genannt und mit der Nähnadel gefertigt wurde. Plauen und das Vogtland waren seit dem 16. Jahrhundert für das Weben besonders dünner Baumwollstoffe bekannt. Diese Stoffe nannte man anfangs nach ­ihrer Verwendung Schlöre (Schleier), später dann Musselin nach der Stadt Moussul im Iran, woher zuerst solche feinen Gewebe aus Baumwolle kamen.

Das Spitzenmuseum in Plauen wird durch eine Schauwerkstatt ergänzt, die von Beate Schad geleitet wird. Sie und die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Vogtlandmuseums, Katrin Färber, haben die Textbeiträge erarbeitet. Petra Pechmann vom Verein Vogtländische Textilgeschichte hat das Motiv entworfen. Astrid Hauffe von der Firma Punchpoint entwarf das Programm, nachdem der Stoff dann mit einer Strickmaschine bearbeitet wurde. In der Fachsprache wird das Punchen genannt.

Text und Foto: Dr. Branser